Der legendäre, ursprünglich von der Automobilgesellschaft Birsigtal beschaffte Mercedes-Bus Nr. 1 fuhr auch während der Kiregszeit unermüdlich zwischen Oberwil und Benken. Der Basler Fotograf Walter Höflinger nahm ihn 1942 bei der Benkener Kirche auf.
© Sammlung Staatsarchiv Basel-Stadt, Hö A 18390 (Fotoarchiv Höflinger)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts standen die Einwohner der beiden Dörfer Biel und Benken 1) einem Anschluss an den öffentlichen Verkehr noch mehrheitlich ablehnend gegenüber. Als die Birsigthalbahn AG (BTB) ihre neue Bahnstrecke über den Bann der beiden Gemeinden plante, regte sich Widerstand: Die reformierten Dorfbewohner wollten partout nicht mit ihren katholischen Nachbargemeinden verbunden werden! Es machte sogar das Gerücht die Runde, dass katholische Jungmänner aus den umliegenden Dörfer einfallen würden, um die unbefleckten Biel-Benkemer Jungfrauen zu verführen…

Diese Haltung änderte sich rasch, als die Bewohner des benachbarten Schnäggedorfs 2) von 1887 an bequem mit dem Dampfzüglein nach Basel fahren konnten. Zudem entstanden um die Jahrhundertwende mehrere ambitionierte Bahnprojekte, die das Leimental zu einem bedeutenden Knotenpunkt eines internationalen Schmalspurnetzes machen wollten. So kam erstmals die Idee einer Autobuslinie von Benken über Biel und Oberwil bis nach Basel auf. Ein von der neu gegründeten Gesellschaft für Automobilverkehr im Birsigtal eingereichtes Konzessionsgesuch wurde im Juni 1904 von der Eidgenössischen Oberpostdirektion zwar bewilligt. Zur Eröffnung der Buslinie – sie wäre eine der ersten ihrer Art in der Schweiz gewesen – kam es indes nicht, da die erforderlichen finanziellen Mittel nicht aufgebracht werden konnten.

Projekt Tramlinie Basel–Benken

Im Sommer 1910 reichten private Initianten aus Binningen bei den eidgenössischen Behörden in Bern ein detailliertes Konzessionsgesuch für eine elektrische Strassenbahn von Basel über Oberwil nach Benken ein. Die vorgesehene Tramlinie hätte beim Aeschenplatz ihren Anfang genommen und bis zur Haltestelle Bachlettenstrasse (heute Zoo Bachletten) die bestehende, meterspurige Doppelspurstrecke der Basler Strassenbahnen (B.St.B.) mitbenützt.

Von der Bachlettenstrasse bis nach Benken war der Bau einer rund 8,5 Kilometer langen, eingleisigen Neubaustrecke vorgesehen, wobei für den ersten Abschnitt bis zur  Kantonsgrenze im Bereich der heutigen Haltestelle Zoo Dorenbach zwei Varianten vorgeschlagen wurden. Die eine sah eine direkte Führung durch die Oberwilerstrasse vor. Als verkehrstechnisch günstigere Lösung bewertete man allerdings die Umwegstrecke via Arnold Böcklin-Strasse–Bundesplatz–Rütimeyerstrasse–Oberwilerstrasse, obwohl dieses Gebiet damals noch weitgehend unbebaut war 3).

Von der Kantonsgrenze aus hätte das Tram zunächst die Binninger Hauptstrasse, anschliessend die linksufrige Talstrasse mitbenutzt. Innerhalb der Ortschaften wären die Gleise in der Strassenmitte, ausserhalb auf einem Trasse in Seitenlage verlegt worden. Ganz dem Charakter eines Nahverkehrsmittels entsprechend waren zahlreiche (Bedarfs-)Haltestellen vorgesehen: sechs in Binningen, eine in Bottmingen, fünf in Oberwil, vier in Biel und drei in Benken. Vier Stationen hätten zu Ausweichstellen ausgebaut werden müssen. Die Gleisanlage der Endstation bei der damaligen Post an der Therwilerstrasse nahe der Benkemer Kirche hätte es ermöglicht, mitgeführte Anhängewagen zu umfahren. In diesem Bereich war zudem eine kleine Wagenremise mit Werkstätte vorgesehen.

Die Betriebsführung sollte den B.St.B. übertragen werden. Zwischen Basel (Aeschenplatz) und Binningen Schafmatt (im Bereich der heutigen Haltestelle Spiegelfeld) sollten sich die Wagen alle zwölf Minuten folgen. Jeder zweite Kurs wäre nach Benken durchgefahren – ein geradezu groteskes Überangebot für die kleine Gemeinde!

Die Gesamtkosten des Projekts wurden auf knapp eine Million Franken veranschlagt. In diesem Betrag war auch das Rollmaterial enthalten: acht zweiachsige Motorwagen, ebenso viele Anhängewagen sowie zwei Güterwagen. Der Kanton Basel-Stadt lehnte die Konzessionsvorlage jedoch kategorisch ab, da Bau und Betrieb von Strassenbahnen auf seinem Kantonsgebiet grundsätzlich den B.St.B. vorbehalten waren. In der Folge wurde das Konzessionsbegehren auf den Abschnitt Kantonsgrenze–Benken geändert. Weder die B.St.B. noch der Kanton Basel-Stadt massen dem Bau einer Anschlussstrecke nach Binningen jedoch Priorität bei. Eine solche wäre allerdings wesentliche Voraussetzung für den ohnehin fraglichen wirtschaftlichen Erfolg einer Tramlinie nach Benken gewesen.

Der Bus rückt wieder in den Vordergrund

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die bescheidene Postkutschen-Verbindung von Oberwil nach Biel-Benken aus Spargründen sistiert. Damit gewann die Idee einer Autobuslinie erneut an Bedeutung und führte am 14. Mai 1925 zur Gründung eines «Initiativkomitees für eine Autoverbindung Basel–Biel-Benken» durch den gemeinschaftlichen Gemeinderat der Dörfer Biel und Benken. Dem Komitee gehörten vor allem Vertreter der Gemeinden Benken, Biel, Oberwil und Bottmingen an. Dadurch erschien die Finanzierung einer Autobusgesellschaft realistisch, und das Vorhaben schritt rasch voran. Bereits im März 1926 reichte das Komitee ein Konzessionsgesuch für die Strecke Benken (Post)–Biel–Oberwil–Basel ein.

Karte mit Linienverlauf
Vom Initiativkomitee für eine Autoverbindung Basel–Biel-Benken zusammen mit dem Konzessionsgesuch eingereichte Karte mit eingezeichnetem Linienverlauf. Schwach erkennbar ist auch die  zwischen Basel und Oberwil parallel zur Buslinie verlaufende Bahnstrecke der Birsigthalbahn im Talboden.
(Ausschnitt, Massstab 1:100’000)

Umgehend erhob die Birsigthalbahn Einsprache gegen das Konzessionsgesuch. Gegen eine lokale Verbindung zwischen Biel-Benken und Oberwil hatte die Bahngesellschaft zwar nichts einzuwenden. Hingegen sah man die eigene, täglich mit 42 Zügen je Richtung bediente Bahnstrecke zwischen Oberwil und Basel durch eine parallel verlaufende Buslinie stark konkurrenziert. Im Sinne eines Kompromisses erklärte sich die Bahngesellschaft schliesslich bereit, versuchsweise und auf unbestimmte Zeit selbst Automobilkurse zwischen Oberwil und Benken anzubieten. Entsprechend bewarb sich die BTB ebenfalls um die erforderliche Linienkonzession, welche ihr umgehend erteilt wurde. Die Birsigthalbahn führte den Automobilbetrieb auf eigene Rechnung und in eigener Regie. Ein Mitspracherecht bei der Gestaltung des Fahrplans wurde den Gemeinden nicht zugestanden.

Der Probebetrieb wurde am 20. Dezember 1926 mit täglich sieben Kursen je Richtung aufgenommen. Zum Einsatz kam ein älteres, von der Postverwaltung ausgeliehenes Fahrzeug mit 20 Sitzplätzen, das den betrieblichen Anforderungen allerdings nur unzureichend gerecht wurde. Der Fahrpreis für eine einfache, elf Minuten dauernde Fahrt über die gesamte Strecke betrug 60 Rappen; für Teilstrecken und Retourfahrten wurden keine Ermässigungen gewährt.

In der Zeitperiode vom 1. Januar bis 30. September 1927 legte der Bus auf der 3,55 Kilometer langen Strecke total 13’277 Kilometer zurück, was pro Tag im Durchschnitt 48,64 Kilometer ergab. Diese Zahlen in Verbindung mit den geringen Fahrgastzahlen – Biel und Benken hatten diesem Zeitpunkt zusammen lediglich 573 Einwohner – liessen den Betrieb schon nach kurzer Zeit unwirtschaftlich werden. Verständlicherweise verkündete die BTB daher im Oktober 1927 die Einstellung des Autobusbetriebs per 19. Dezember 1927. Das aufgelaufene Defizit belief sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf über 8’000 Franken.

Sofort erhob das Initiativkomitee schwere Vorwürfe gegen die Bahn und warf dieser vor, den Betrieb absichtlich so geführt zu haben, dass negative Betriebsergebnisse entstanden, um das Projekt grundsätzlich zu verhindern. Das Komitee reichte selbst ein neues Konzessionsgesuch für eine Linie Benken–Basel bei der Oberpostdirektion ein. Ein privater Carbesitzer aus Oberwil erklärte sich bereit, den Betrieb weiterzuführen. Tatsächlich fuhr am 18. Dezember 1927 ein neuer, schmucker Berna-G4-Kurswagen von Benken nach Basel. Die Konzession aus Bern traf allerdings erst am darauffolgenden Tag ein und beschränkte sich auf die Strecke Benken–Oberwil. Die Weiterführung der Autokurse von Oberwil nach Basel wurde dagegen nach Abklärung der Verhältnisse nicht konzessioniert, obwohl das Initiativkomitee beim Bundesrat gegen den Entscheid der Oberpostdition rekurrierte. Demgegenüber erklärte sich die Birsigthalbahn bereit, 25 Prozent des Betriebsdefizits der Linie, im Maximum 2’000 Franken zu übernehmen.

Der Busbetrieb wurde in der Folge mit gleich negativem Erfolg von der aus dem Initiativkomitee hervorgegangenen «Automobilgesellschaft Birsigtal» weitergeführt. Wohl nicht zuletzt in der Absicht, die Betriebsergebnisse zu verbessern, bewarb sich die Automobilgesellschaft 1933 um Konzessionen für die Strecken Schönenbuch–Allschwil–Binningen–Basel (Aeschenplatz) und Arlesheim–Dornach–Reinach–Therwil–Oberwil sowie – zum wiederholten Male – für die Verbindung von Oberwil nach Basel. Die Oberpostdirektion sah jedoch – mit Ausnahme der Birsigtal–Birstal-Verbindung – keinen Bedarf für weitere Linien und lehnte die Konzessionsgesuche ab. Damit waren die Expansionspläne der Automobilgesellschaft von Anfang an gescheitert.

Betrieb durch Birsigthalbahn

Unterdessen schwelte der Konflikt mit der BTB weiter. Eine endgültige Lösung kam erst 1938 mit der Übertragung der Konzession sowie der Übergabe des Betriebs mitsamt Wagenmaterial an die BTB und der anschliessenden Auflösung der Automobilgesellschaft zustande. Die Bahnverwaltung wurde dabei verpflichtet, die bisher geführte Kurszahl (sechs Paare) weiterzuführen. Die Betriebsdefizite wurden zu je drei Achteln von der BTB und dem Kanton sowie zu je einem Achtel von den Gemeinden Biel und Benken gedeckt.

Die beiden traditionsreichen Rebbauerndörfer bewahrten ihren bäuerlichen Charakter mangels Industrie und Bahnanschluss bis weit in die Sechzigerjahre. Erst mit dem Wandel zu Wohngemeinden setzte ein deutliches Bevölkerungswachstum ein. Nun erachtete es die Birsigthalbahn selbst als gerechtfertigt, einzelne Kurse bis nach Basel zu führen. Da die Bahn die Autokurse als Ergänzung ihrer Bahnlinie deklarierte, bot ihr die Erlangung der Konzession keine Schwierigkeiten. Ab 1951 bedienten die Autokurse die Haltestellen Benken, Biel, Rüti, Vorderberg, Oberwil, Sonnenberg, Schützenweg, Schloss, Dorenbach und Heuwaage.

Das neue Angebot fand regen Zuspruch; nicht selten mussten die Kurse doppelt geführt werden, was eine Vergrösserung des Fahrzeugbestandes erforderlich machte. Lange behalf man sich mit Occasionsfahrzeugen. Erst mit der Beschaffung zweier fabrikneuer Standard-Frontlenkerwagen von FBW im Jahre 1969 standen zweckmässige Fahrzeuge für die inzwischen rund neun Kilometer lange Linie zur Verfügung. Mit deren Anschaffung verband die Bahnverwaltung nicht zuletzt die Absicht, ihren Autobusbetrieb weiter auszubauen. So prüfte man unter anderem eine neue Linie zum geplanten Kantonsspital auf dem Bruderholz sowie – wiederum – eine Verbindung Biel-Benken–Therwil–Reinach–Dornach und einen Anschluss von Metzerlen, Mariastein und Hofstetten an die Birsigthalbahn.

Das im Herbst 1973 eröffnete Bruderholzspital wurde schliesslich durch die von Binningen her verlängerte Buslinie 37 der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) erschlossen. Damit erwuchs dem BTB-Bus starke Konkurrenz, die einen erheblichen Rückgang der Fahrgastzahlen zur Folge hatte. Forderungen aus dem linken politischen Lager, den Betrieb auf dem Abschnitt Oberwil–Basel umgehend einzustellen, konnten vorerst noch abgewendet werden.

Per 1. Januar 1974 ging die Birsigthalbahn AG in der neu gegründeten Baselland Transport AG (BLT) auf, womit diese auch für den Betrieb der Buslinie im Leimental zuständig wurde. Im Zusammenhang mit der Einführung der Tarifgemeinschaft mit den BVB per 1. Januar 1975 wurde der Linie die Nummer 62 zugewiesen.


1) Die beiden Dörfer Biel und Benken waren eigenständige politische Gemeinden und schlossen sich erst nach längeren Diskussionen per 1. Januar 1972 formal zur Gemeinde Biel-Benken zusammen.
2) Schnäggedorf bzw. Schnägge sind Necknamen der Gemeinde Oberwil bzw. deren Einwohner
3) Die B.St.B.-Strecke vom Schützenhaus zum Neuweilerplatz wurde erst 1919 erstellt

Linienführung

1926 bis 1951: Benken–Biel–Oberwil

1951 bis 1974: Benken–Biel–Oberwil [–Bottmingen–Binningen–Heuwaage]

→ Betrieb durch BLT als Autobuslinie 62

Fahrplan 1962/63
Busfahrplan Birsigthalbahn, gültig vom 22. Oktober 1962 bis am 25. Mai 1963.
© Sammlung Dominik Madörin, CH-Ettingen

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 25. Oktober 2026 von Dominik Madörin